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Was wäre wenn ....

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Von Tintenkleckser

Was wäre, wenn …

du morgens aufwachst, ohne die obligatorischen Schmerzen in deinen Füßen und Knien zu spüren? – Du liegst auf dem Rücken und dir ist mollig warm und wohl, hast aber keine Decke auf dir liegen.

Nanu?

Du öffnest deine Augen und realisierst, dass über dir nur blauer Himmel ist. In deinen Augenwinkeln siehst du, dass du auf einer Wiese liegst. Auch Blumen kannst du erkennen. Einen leisen Wind verspürst du auf deinen Wangen und nahes Vogelgezwitscher hörst du. Du fühlst dich wirklich wohl.

Doch das kann doch gar nicht stimmen! Sicherlich sind das noch die Nachwirkungen von deinem Traum oder den Medikamenten, die du täglich nehmen musst. - Du bist bestimmt noch nicht wach. Vielleicht gerade in einem Zwischenzustand, wo man meint aufgewacht zu sein, aber dennoch halb im Schlaf.

Das denkst du gerade.

Und wenn du schon dabei bist, rationell zu sein, so müsstest du doch jetzt die verdammten Schmerzen spüren. Die spürst du immer, trotz den Medikamenten! Deine Füße und die Knien …

Ach ja, die gibt es jetzt doch gar nicht mehr nach dem schrecklichen Unfall vor … tja, wie lange ist das her? – Du weißt es nicht genau. Was du allerdings weißt ist, dass du auf der Baustelle einen schrecklichen Unfall gehabt hattest. Der Radlader ist an der Böschung abgerutscht. Das hast du ganz deutlich sehen können. Und seine 5 Tonnen sind schließlich auf deine untere Körperhälfte gelandet. – Ausgerechnet dir, der auf der Baustelle immer für Sicherheit gesorgt hat! Wenn du die Aufsicht hattest, war niemanden etwas zugestoßen. Aber bei dir ist es dann doch geschehen!

Und nach dem ersten Schock, bist du dann unter wahnsinnigen Schmerzen aufgewacht. Der schwere Radlader hing an einem Stahlseil über dir an einem Kran der Feuerwehr. Er wurde gerade von dir weggezogen als du aus den Augenwinkeln erkennen konntest, was von deiner unten Hälfte übrig geblieben ist …

Irgendwann später bist du dann auf der Intensivstation noch einmal aufgewacht. Überall an dir waren Schläuche und Kabel. In deinem Rachen steckte irgendetwas Scheußliches. Du hattest tierischen Durst … Und dann hattest du bemerkt, dass irgendjemand an dich herangetreten war, um mit professioneller Stimme sein Bedauern auszudrücken, indem er dir die schreckliche Wahrheit verkündigte. Das was du dann hinter seinem Rücken, hinter den Lebenserhaltungssystemen, hinter der Glasscheibe, sahst, war allerdings viel schlimmer. Es hatte dich in deinem tiefsten Innersten mehr getroffen, als die schreckliche Wahrheit über deinen Unfall. Du sahst deine wunderschöne Frau total aufgelöst, verheult, mit roten Augen. Sie hielt ein bereits benutztes Taschenbuch vor dem Mund und schluchzte laut. Ihr ganzes Gesicht war nass von ihren Tränen.

Als du das sahst, verspürtest du neben deinen Schmerzen, die die untere Hälfte deines Körpers beherrschten, einen anderen Schmerz. Der ging tiefer, mitten ins Herz. Du wolltest damals aufstehen und sie tröstend in deine Arme nehmen. Doch das ging irgendwie nicht.

Und nun glaubst du, hier auf einer wunderschönen Blumenwiese zu liegen!

Doch Stopp! – Irgendetwas stimmt in dieser Gleichung nicht.

Das Gefühl, dass du nun verspürst, ist zu real. Den lauen Wind auf deinen Wangen spürst du wirklich! Das Vogelgezwitscher hörst du wirklich. Es muss rechts von dir kommen.

Du hebst deinen Kopf und siehst in diese Richtung.

Und richtig. In einer kleinen Entfernung stehen einige Bäume, aus denen das Vogelgezwitscher kommt. Du kannst sogar einige Vögel auf den Ästen erkennen. Und das ohne deine Brille!

Du richtest nun deinen ganzen Oberkörper auf und mit Erstaunen stellst du nun fest, dass du das auch kannst. Denn ohne Beine …

Der Schock, den du dann erlebst, ist absolut unbeschreiblich!

Denn beim Aufrichten deines Oberkörpers hast du ganz automatisch auf deine Beine geschaut. Und siehe da, da waren sie! Wunderschön gerade, perfekt gestaltet, keine Narbe zu sehen, ohne Schmerzen!

Das kann doch gar nicht sein.

Auch bewegen kannst du sie. Du winkelst gerade deine Beine an, um bequemer auf der Wiese zu sitzen. Eine ganz instinktive Reaktion. Es funktioniert!

Jetzt erst bemerkst du, dass du nicht ganz alleine auf der Wiese bist. Hinter dir hörst du leise Stimmen. Sie sind nicht bedrohlich, sondern eher das Gegenteil ist der Fall. Es hört sich so an, als ob Kinder fröhlich spielen. Sie singen ein Lied.

Du drehst dich um und siehst deine Vermutung bestätigt. Dort sind Kinder. In kaum 50 m Entfernung führen sie einen Reigen auf. Sie haben Blumenkränze in den Haaren. Das siehst du ganz deutlich, ohne dass du deine Brille aufsetzen musst.

Nun löst sich ein Mädchen aus dem Reigen und läuft jauchzend mit erhobenen Händen auf dich zu.

Nun schaust du zwei Mal hin, um das zu glauben! Von weitem sieht das kleine Mädchen aus wie Elisa, deine Tochter, die du vor sieben Jahren an den Krebs abgeben musstest.

Mit jedem Schritt, den sie näher kommt, wird sie ihr ähnlicher. - Das kann doch gar nicht sein!

Du richtest dich nun auf und stehst auf deinen Beinen.

Sie kommt näher und springt dir regelrecht in die Arme, schmiegt sich an dich und sagt: „Ach Papa! Wir haben so lange auf dich gewartet!“

Ja, es ist Elisa, dein süßes Töchterchen! Es ist ihr Gesicht, ihr Lachen, ihre Stimme. Sie riecht wie Elisa, bewegt sich wie sie, fühlt sich so an wie sie. … Alles an ihr ist echt! Es ist Elisa! – Wie lange hast du sie vermisst!

Wo bist du nur hingeraten? – Und du denkst in diesen Moment: Was wäre, wenn die Worte der Bibel doch wahr wären?

Zu jener Zeit werden die Augen der Blinden geöffnet, und die Ohren der Tauben, sie werden aufgetan. Zu jener Zeit wird der Lahme klettern wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird jubeln.“ (NW Jesaja 35)

10/2016 – B. Podgorski

 

 

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Autor des Artikels Datum Views
Tintenkleckser 17.06.2017 12:53 12
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