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Psychothriller.

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Von felixdertext

Kapitel 1. Erwachen

 

Ich komme wieder zu mir. Verschwitzt und stinkend wache ich wieder aus auf meinem endorphinrausch. Ich blicke um mich und der Ort an dem ich mich wiederfinde löst ein Aufflammen negativer Eindrücke aus. Die Universität, der Ort an dem mein Scheitern begann. Doch wie war ich hier hergekommen und wieso hatte ich solch pulsierende Kopfschmerzen. Dazu kommt noch mein abartig rasendes Herz, als würde es gleich explodieren und ich wie ein alter Greis verenden. Ich merke wie sich meine Vitalfunktionen aus jedem natürlichen Rahmen erheben und ich mitanfühlen muss, wie ich kollabiere und sich die Dunkelheit über mein Bewusstsein ausbreitet. Die Verwirrung weicht einer mich erfüllenden, klaren und kühlen Schwärze. Zum zweiten Mal in kurzer Zeit komme ich wieder zu mir. Das erste was ich wahrnehme ist der Geruch und der Geschmack von frischem Erbrochenem. Ich muss würgen, mein Magen krampft sich schmerzhaft zusammen, ich rolle auf den Bauch, komme auf alle Viere und muss einen mehrminütigen Kotzkrampf über mich ergehen lassen. Zeit in der mein Kopf bei jedem Anfall zu zerbersten droht. Dann ist es geschafft. Die Augen tränen und ein Gemisch aus Kotze und Rotze tropft beziehungsweise hängt mir aus Nase und Mund. Ich wische es mit dem Handrücken weg und setze mich auf. Mein ganzer Körper zittert auf Grund von ängstlicher Verwirrung, Ekel und Erschöpfung. Ich krieche den Meter bis zur Hausfassade und lehne mich erschöpft an. Meine Gedanken beginnen zu rasen, ich merke wie ich unregelmäßig atme und wie mein Organismus wieder anfängt außer Kontrolle zu geraten. Eine Stimme in meinem Kopf meldete sich, mein Verstand der mich zum rationalem Verhalten zurückzubringen versucht. „Atme, atme ruhig und tief, ignoriere den Gestank, deine vollgekotzte und vollgeschwitzte Kleidung. Das dich umgebende Aroma deines neuen persönlichen Tiefpunktes“. Und während ich so dasitze fange ich an mich ganz langsam zu beruhigen, spüre wie mein Herz von gefühlten 500 auf 100 Schläge die Minute gedrosselt wird. Wie mein Kopf sich nicht mehr anfühlt als würde ein Zwerg mit einer Stachelkeule in ihm wüten. Und wie wieder eine Frage in meinen Kopf zu rotieren beginnt. „Was ist paßiert?!“.

 

Ich taste nach Geldbeutel und Handy um festzustellen ob ein Überfall und der dadurch ausgelöste Adrenalinaustoß für meinen Blackout verantwortlich sein könnte. Beides finde ich am jeweils angestammtem Platz. Doch noch etwas ertaste ich. Mit vor Ungläubigkeit aufgerissenen Augen ziehe ich mein kleines Taschenmesser aus der Hosentasche. Wieder beginnt meine Pumpe durchzudrehen und das Rauschen in meinen Ohren steigert sich bis zu einem alles überschattenden Störsignal. Ich spüre wie sich Adrenalin in meinem Blutkreislauf ausbreitet, meinen Verstand schärft und mich hellwach werden lassen. Ich erkenne Blut an dem Messer, bemerke dass es von diesem richtig schmierig und glitschig ist. Mit zitternden Finger klappe ich die große Klinge auf und muss unter Entsetzen feststellen, dass diese dunkelrot verfärbt ist. Ich sitze nur so da und starre auf die in meiner Hand bebenden Klinge. Wie ohnmächtig stehe ich auf, laufe zum nächsten von einer Laterne hell angestrahlten Schaufenster und betrachte mein Spiegelbild. Von dem Anblick wird mein Verstand blockiert und mein Bezug zu meinem Körper kurzzeitig ausgelöscht. Es fühlt sich an als befände ich mich im falschen Körper. Ich blicke in ein fremdes Gesicht. Aschfahl, ausgezehrt wirkend, mit eingefallenen Wangen und von glänzendem Schleim und roter Farbe verschmiertem Mund und Nase. Mein ehemals weißes T-Shirt gleicht einer Leinwand für Moderne Kunst. Bedeckt von dem glänzendem, mit Stückchen versetztem Mageninhalt und wieder dieser roten Farbe. „Das ist Blut.“ schallt es irgendwo im hintersten Teil meiner Wahrnehmung. Mein Hose ist an den Knien aufgerissen und genau wie die Schuhe besudelt. Starr und teilnahmslos bleibt mein Blick an diesem Wesen heften, diesen schwarzen Augen in diesem verfallenem Körper. Diesen käferähnlichen Punkten die durch mich hindurchblicken zu scheinen. Sich beginnen in meiner Seele einzunisten wie ein Parasit.

 

Das Gesicht beginnt langsam zu zucken. Augen füllen sich mit Tränen. Ich erinnere mich schlagartig wieder, dass ich das in dem Spiegel bin. Ich. Niemand anderes, kein psychisch kranker Mensch den ich im Fernsehen sehe und auch kein Verrückter den ich heimlich aus der Straßenbahn beobachte. Gleichzeitig bemitleidend, angstvoll und angewiedert. Auf diese Erkenntnis folgend falle ich auf die Knie und beginne zu weinen. Das anfängliche leise Wimmern steigert sich, bis ich, wie unter einem spasmischen Anfall zuckend auf dem Asphalt zusammensinke. Ich leide so wie ich noch nie in meinem Leben gelitten habe. Weder in Echt noch in meinem schlimmsten Alptraum.

 

Als die letzte Träne versiegt ist, erhebe ich mich. Stecke das immer noch in meinen verkrampften Fingern liegende Messer in meine Hosentasche und mache mich möglichst die Hauptstraßen vermeidend auf den 5 km langen Marsch nach Hause. Wie durch ein Wunder begegne ich niemanden. Mein Geist fühlt sich über die ganze Zeit an, als wäre er erloschen. Kein Gedanke durchkommt ihn. Zuhause angekommen schleiche ich durch das Treppenhaus in meine Wohnung und dann weiter in die Küche. Mein gesamte Kleidung schmeiße ich in den Restmüll und begebe mich nackt und mit bei jedem Schritt klebenden Füßen in die Dusche. Das Wasser färbt sich bräunlich rot. Ich schrubbe mich solange bis die Haut durch ist und ich wieder von frischem Blut benetzt bin. Als ich mit Duschen fertig bin, taumele ich völlig entkräftet in mein Zimmer und falle nass und blutend wie ich bin ins Bett. Bevor mich ein gnädiger, traumloser Erschöpfungsschlaf überkommt blitzt in meinem Kopf wieder diese eine Frage auf. „Was ist paßiert?“.

 

Kapitel 2. Schlafen

 

Ich schlage die Augen auf. Sehe die von der Sonne angestrahlte Decke. Gähne. Fühle mich so gut wie selten und schwinge meine Beine aus dem Bett. Just in dem Moment als meine Füße den Boden berühren durchströmt mich eine Welle an Lebenslust, wie ich sie selten verspürt habe. Als hätte ich die letzte Nacht ausgiebig gegessen, wäre danach sexuell verwöhnt und anschließend zärtlich zugedeckt worden. Ich gähne, strecke und räkele mich und gehe in die Küche um mir Frühstück zu machen. Schockiert bleibe ich im Flur stehen als ich die dunkelbraun verkrusteten Schuhe sehe. Ich gehe in die Hocke und betrachte sie genauer, unschlüssig was denn jetzt los sei. Als in diesem Moment mein innerstes zu Eis gefriert und die Erinnerung an den vergangenen Abend über mich hinwegrollt. Der Müll in der Küche lässt die Erinnerung vollständig Realität werden. Ich muss mich setzen. Unfähig mich zu bewegen, sinkt mein Kopf auf die kühle Tischplatte und ich versuche meine Gedanken zu sortieren. Vor allem die Frage was vor meinem Erwachen in der Nähe der Universität geschehen war, lässt mich fast durchdrehen. Wurde ich überfallen? Habe ich mir Drogen gekauft? Bin ich in einer Bar versackt und habe mich volllaufen lassen? Habe ich mich gegen jemanden gewährt? Habe ich mich verteidigt? Habe ich jemanden angegriffen? Habe ich jemanden verfolgt? Habe ich jemanden gesucht? Gejagt? Aufgespürt, getroffen, attackiert und ermordet? Abgeschlachtet, aufgeschlitzt, abgestochen und das Fleisch zerfetzt? Der Anblick meines Spiegelbildes und das um meinen Mund verschmierte Blut fällt mir ein.

 

Wie aus dem Nichts werde ich ganz ruhig, als hätte jemand anderes von meinem Körper Besitz ergriffen. Jemand dem es nichts ausmacht einen schwarzen Restmüllsack voller blutiger und vollgekotzter Kleidung am helllichten Tagg zur schwarzen Tonne zu bringen. Dabei den ihm begegnenden Nachbarn höflich zu grüßen und sogar kurz mit der schönen Frau aus dem dritten Stock zu flirten. Mit erhobenem Haupt und angedeutetem Lächeln in die Wohnung zurück zu spazieren und alle Spuren der letzten Nacht geduldig und mit großer Sorgfalt mit Toilettenpapier aufzuwischen.

Nachdem dieses durch die Spülung aus der Welt geschaffen worden ist, finde ich mich auf Pornoseiten surfend im Bett wieder. Zuerst bin ich geschockt von dem gerade vor meinen Augen abgelaufenem Szenario und der Tatsache das ich im Begriff bin nach einer Ansammlung von solch einem wahnsinnigen Verhalten masturbieren zu wollen. Doch dann merke ich wie die Geilheit Besitz von mir ergreift, wie schließlich die Videos die ich mir anschaue immer perverser, immer grotesker werden, wie ich immer aggressiver zupacke und mich schließlich völlig in den Abgründen des Internets verliere. Ich gerate in einen bösen Rausch. Einem Zustand in dem jegliche gesellschaftlichen, wie moralischen Konvektionen keine Rollen mehr spielen. Ein Film an dessen Ende nichts außer tiefer Trauer, Verzweiflung und lähmender Reue auf mich wartet.

 

Kapitel 3.

 

Für den geplanten Besuch in der psychatrischen Notaufnahme kleide ich mich möglichst normal. Ein Jeanshemd gepaart mit schwarzer Hose. Ich putze meine Zähne, benutze Zahnseide, creme Gesicht und Hände ein, gele meine Haare und benutze anschließend ausgiebig mein Deodorant. Ich bemerke schon wie ich vor Nervösität zu schwitzen beginne, wie sich Schweißflecken bilden bevor ich überhaupt die Wohnung verlassen habe. Ich habe eine Scheißangst. Fühle ich mich doch wieder relativ normal. Was in diesem Fall bedeutet dass ich völlig Nervös bin und panische Angst vor dem habe was paßieren wird. Was geschehen wird, wenn ich die Wohnung verlassen und mit der U-Bahn fahren werde. Ich werde den Gedanken nicht los, dass die Schlagzeile der ersten Boulevardzeitung die ich finde etwas mit letzter Nacht zu tun haben wird. Dass die Polizei vor dem Haus wartet, dass bereits eine Täterbeschreibung von mir im Umlauf ist. Eine Skizze meines von einem Augenzeugen beschriebenen Gesichtes. Die Überschrift über dem Bild würde so etwas lauten wie: „Psychokiller schlägt zu!“ oder „Jack the Ripper ist zurück!“, „Kannibale von Wien aufgetaucht!“. Der kurze Texte würde meine Gereueltaten enthalten und davor warnen das Haus nach Einbruch der Dunkelheit, geschweige denn generell zu verlassen. Doch nichts von alledem paßiert. Ich komme ohne Zwischenfälle an der U-Bahnhaltestelle „Gumpendorfer Straße“ an. Ich setze mich am Gleis auf eine Bank. Versuche meinen Atem zu kontrollieren und mich wieder zu beruhigen. Die Fahrt war die reinste Hölle. Ich bin schweißgetränkt und der Gestank kriecht in mein Gehirn. Ich hasse zu schwitzen und noch mehr hasse ich es zu stinken. Zu riechen wie irgend ein Asozialer. Dann wird mir schlagartig bewusst, dass ich eventuell etwas viel schlimmeres als ein schlecht riechender Mann bin. Ich bin vielleicht ein Mörder. Ein psychisch krankes Wesen, dass die Kontrolle über Geist und Körper verloren hat. Ich vertreibe das Chaos der durch meinen Kopf schleichenden Überlegungen und konzentriere mich auf das, was ich mir vorgenommen habe gleich zu erzählen.

 

Ich bin gestern Nacht am Waldrand zu mir gekommen. Ich hatte viel zu hohen Puls und Blutdruck. Mein Kopf dröhnte und ich hatte einen Blackout über mehrere Stunden. Mir wurde wieder schwarz vor Augen, in Ohnmacht erbrach ich mich und schließlich als ich mich wieder gesammelt hatte, ging ich nach Hause. Heute in der Früh hatte ich kurz die Ereignisse von Gestern Abend vergessen und mich beim wegschmeißen der verschmutzten Kleidung „wie Ferngesteuert“ gefühlt. Wenn ich ihm die Wahrheit erzählen würde, wäre ich schneller auf einer forensischen Abteilung als ich es mir vorstellen konnte. Und während ich so dasaß und die Geschichte noch einmal in Gedanken probte, wurde ich das Gefühl nicht mehr los, dass es das beste wäre die Wahrheit zu erzählen. Dass ich in die Forensische Abteilung gehöre und eine Gefährdung für meine Mitmenschen darstelle. Eine Gänsehaut bereitet sich an meinem Körper aus. Ich spüre tiefsitzende Angst vor dem was eventuell aus mir geworden ist. Doch gleichzeitig ist da noch etwas. Ein Schwindel. Wie wenn man im Begriff ist eine Grenze zu überschreiten von der man weiß, dass es danach kein zurück mehr gibt und man mit allen folgenden Konsequenzen leben muss.

Ich weiß nicht wie viele U-Bahnen an mir vorbeigezogen sind. Wie viele hunderte Menschen an mir vorbeigeschritten sind, so nah dass sie mich einfach riechen mussten. Mich registrieren mussten. Doch wie kann es sein, das mich niemand wahrnimmt. Wie kann es sein, das sie mich nicht sehen. Nicht das Monster das anscheinend in mir steckt. Ich muss daran denken, dass viele Psychokiller nie verhaltensauffällig ihren Familien und Freunden gegenüber waren. Meine Hände beginnen zu zittern. Mein Atem schmeckt Faul, mir wird schlecht. Die Zunge… sie fühlt sich so pelzig an, so viel zu groß. Wie ein in mir platzierter Fremdkörper. Die Lippen spröde und verkrustet. Ich stehe auf. Taumele kurz, blicke in teilnahmslose Gesichter, die mich nicht einmal zu bemerken scheinen. Ich orientiere mich kurz und peile dann mein Ziel an. Der erste Besuch bei einem Psychater. Ich schaffe es bis fünf Meter vor die Tür des Gebäudes. Doch dann bleibe ich stehen, richte mich auf, lege den Kopf zurück und schaue an dem Gebäude nach oben. Unwillig muss ich an ein Gebirge denken.

Ein Bergmassiv mit schneebedeckter, strahlend weißer Kuppe. Ich spüre den kalten, erfrischenden Wind auf meiner Haut. Ich rieche Heu und schmecke dass Salz der Meere. Meine Augen beginnen sich zu schließen. Ich entziehe mich der Wirklichkeit, gelange an einen Ort der Ruhe. Eine Lichtung in einem Wald. Moos bedeckt streckenweise Bäume und Boden. Es sind Apfelbäume, die glänzend Früchte tragen. Ich spüre das Leben, die Insekten und die größeren Tiere die erst des Nachts erscheinen. In dem Zentrum des Kreises bemerke ich ein Muster auf dem Boden. Eine aus grauen kleinen Kieseln ausgelegte Spirale. Im Kreis drehend beginne ich aus der Mitte heraus ihrem Verlauf zu folgen. Immer konzentrierter bis ich schließlich in der Hocke bin und dann krabbelnd wie ein Baby meine Kreise nach außen ziehe. Ich merke wie sich die Umgebung verändert, wie es plötzlich stickig heiß wird. Sich Schwefelgeruch in der Luft ausbreitet und ein Geräusch wie von Millionen von Käfern die durcheinander krabbeln. Ich erstarre. Mitten in der Bewegung, unfähig mich auch nur einen Millimeter zu rühren. Ich höre und spüre wie die Chitinpanzer aneinander vorbei schaben. Wie die Milliarden Beinchen sich in ihren Gelenken bewegen, Sand der zwischen Zähnen zermahlen wird. Und diese akkustische Kakkofonie schwillt an, immer weiter, bis ich weiß: „Sie wollen mich. Sie kommen.“ Ich spüre wie der Boden zu vibrieren beginnt und sie beginnen meine Gliedmaßen hochzukrabbeln, um mich in sekundenschnelle zu bedecken, wie ich gebissen und gestochen werde. Sich ein Jucken nicht auf meiner Haut sondern auch darunter ausbreitet. Schon ist mein Torso bedeckt. Ich möchte aufstehen, mich schütteln, schreien, umkippen, irgendetwas tun. Doch es geht nicht. Ich bin ein Gefangener. Mein Hals ist als nächstes dran. Ich fühle tausende Kleine Nadeln auf der gesamten Haut und muss mit ansehen, wie sie in mich eindringen.

Ich kann es spüren. Ich nehme war, wie sie sich auf und schließlich auch in meinen Organen bewegen. Wie alles beginnt zu jucken. Bis schließlich der Kopf erreicht ist. Das letzte was ich sehe sind schwarze Schatten die über meine Augen rennen, sich in ihrer Anzahl immer weiter erhöhen und schließlich umfasst mich absolute Finsternis. Ich sehe sie nicht mehr, aber ich höre sie, spüre sie, wie sie in meinen Mund krabbeln und ich sie schließlich auch schmecken kann. Meine Augen werden gefressen. Zuerst die Lieder, dann der Rest. Der Lärm beginnt unendlich zu werden, überschattet alle anderen Empfindungen. Sie kommen in meine Ohren, ein Schmerz wie ich ihn nie für möglich gehalten hätte explodiert in ihnen und dann ist stille. Ich kann nicht mehr sehen und ich kann nicht mehr hören. Mittlerweile wurde meine Nase von innen aufgefressen und meine Zunge vom Rest des Körpers abgetrennt, ich merke wie ich sie zu verschlucken beginne. Wie ich keine Luft mehr bekomme. Mit aller Kraft es versuche doch es nicht mehr geht. Ich ersticke. Doch nachdem die Atmung aufgehört hat bin ich nicht tot. Es bleibt das Fühlen. Und das ist überall. Es scheint jede meiner Zelle gleichzeitig von schabenden Füßen, Beißwerkzeugen oder saugenden Rüsseln attackiert zu sein. Bis ich aufgefressen bin. Vertilgt. Wiederverwertet. Aufgenommen. Die Lichtung ist schon lange verschwunden, genauso wie die Insekten. Dass was jetzt kommt ist noch viel schlimmer. Absolutes Nichts. Keine Sinne, keine Gedanken. Einfach nichts. Genau das, was ich mein ganzes Leben gehofft hatte nicht erfahren zu müssen. Eine anhaltende nie endende Einsamkeit, an deren Ende nichts zu warten scheint. Nicht einmal eine Erlösung in irgendeiner Art und Weise.

Plötzlich höre ich wieder etwas, ein leises Geräusch. Ein Schrei, nein Gebrüll, wie von einem Tier. Ich fahre hoch als hätte mich ein Elektroschocker getroffen. Japsend, nach Luft schnappend. Das gleißende mich blendende Weiß ist zu viel. Ich bin orientierungslos. Taste geblendet um mich, wie ein Neugeborenes das den Geburtkanal verlassen hat. Und so war es auch, ich bin reinkarniert, aus dem Nichts, den Schatten wieder nach Hause gesandt worden. Dann fühle ich Kleidung, klammere mich fest und schließlich beginne ich Konturen zu erahnen. Bis zwei Gestalten über mir materialisiert werden. Beide blicken mich zu tiefst besorgt an und ich mein Blick erfasst noch mehr tief in ihrer Pupille versteckt ist es. Eine triebhafte Angst die Panik zu paaren beginnt.

 

Ich werde auf eine Liege gespannt, fixiert. Ich komme ins Krankenhaus. Wir fahren mit Blaulicht, der Krach dröhnt in meinem Kopf wie eine Lasterhupe. Ich versuche mich loszureißen, weiß ich doch, dass es jetzt vorbei. Sie haben mich. Ich bin völlig durchgedreht, mitten auf der Straße vor der psychischen Notaufnahmme fast abgekratzt. Ich kämpfe immer stärker an, werde blind in meiner Wut, schnappe nach dem Körper der sich mit mir im Wagen befindet. Ich muss hier raus. Ich muss. Ich! Muss! Ich schreie so laut wie nur irgendwie möglich. „Lasst mich hier raus! Ich bin unschuldig! Ich habe Asthma! Ich brauche Medizin! Bitte! Bitteeeeeeeeee! BitteEEEEEEE! Arhhhhhhhhhhhhh!!!“ Solange ich völlig den Verstand verliere. Nur noch gutturale Laute ausstoße und abwechselnd fluche, mich krampfartig aufbäume und schallend lache. Dann wieder unverständlich Krächze, immer leiser werde, weine, sabbere, mit dem Leben abschließe und dann plötzlich ... Ruhe. Ich werde wieder ganz klar, ganz ruhig. Von einen Moment auf den anderen. Von einer Sekunde zur nächsten.

Ich spüre wie beruhigend die Luft durch meine Nase zirkuliert und mich mit überlebenswichtigem Sauerstoff versorgt. Wie die plötzliche akkustische Leere meinen Puls absinken lässt. Und ich einfach da liege. Ich bin in meiner Mitte angekommen. Habe mein wahres Ich gefunden. Ich bin Ich. Noch nie habe ich mich so voller Kraft und so erleuchtet gefühlt. Ich schließe die Augen und merke wie da nichts böses mehr ist. Keine Aggression, keine Wut und auch keine Angst vor dem Rest der da kommen wird. Eine Dankbarkeit beginnt mich zu druchströmen, mich zu wärmen und meinem Leben einen Sinn zu geben. Ich spüre, wie ich vor Glück weinen möchte, doch bin ich mir auch klar, dass das nach meinem Wutanfall von gerade eben nicht gerade förderlich für meine Einstufung als Patient wäre. Ich lasse es also bleiben. Starre an die Decke und warte auf die baldig folgenden Konsequenzen.

 

 

Der Text ist noch in Bearbeitung und die Geschichte nicht fertig, weitere Teile werden in der Zukunft hochgeladen. Über Kritik und Feedback jeglicher Art würde ich mich sehr freuen :) Dankeschön!

Seiten: 1
Autor des Artikels Veröffentlicht Aktualisiert Views
felixdertext 24.08.2017 23:28 25.08.2017 20:11 8
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